Konvena Fragebogen grau Fragebogen bei standardisierter Befragung

Wort Bedeutung
Fragebogen {Substantiv, maskulin} Vordruck, der eine Reihe zu beantwortender Fragen enthält

Einordnung & Anwendung

Der Fragebogen, womit meistens ein standardisierter Fragebogen gemeint ist, ist eine der häufigsten Techniken zur Datenerhebung und wird sowohl im wissenschaftlichen als auch im alltäglichen Kontext verwendet. Im Gegensatz zu offenen Befragungstechniken wie bspw. Interviews kennzeichnen sich geschlossene Befragungen durch vorgegebene Fragen und Antworten (Ausnahme:  offene Fragen), sowie einer festgelegten Reihenfolge der Fragen.

Fragebögen können postalisch an die Zielgruppe versendet werden oder am Telefon bzw. persönlich durch einen Interviewer abgefragt werden. Heutzutage dominiert die Verwendung von Onlinefragebögen, wobei die Fragen mit Hilfe von Online-Tools wie bspw. SoSciSurvey umgesetzt werden, um sie anschließend per Email mit Link an die Zielgruppe zu versenden. Die Wahl der Vorgehensweise hängt von der Zielgruppe ab – während z.B. bei jungen Menschen eine höhere Rücklaufquote bei Onlinefragebögen zu erwarten ist, sollte bei einer älteren Zielgruppe auf persönliche oder postalische Befragungen gesetzt werden.

Die Vorteile des Fragebogens liegen in der hohen Vergleichbarkeit der Ergebnisse, einer vergleichsweise schnellen Auswertung der Antworten und dass viele Personen innerhalb einer kurzen Zeitspanne befragt werden können. Fragebögen sind geeignet um Einstellungen, Überzeugungen, Verhalten oder soziodemographische Daten abzufragen. Überzeugungen sind subjektive Aussagen über Tatsachen. Sie geben also an, was der Befragte für wahr oder unwahr hält“ (Behnke, Baur, & Behnke, 2010, p. 219). Ein Fragebogen kann nicht das tatsächliche Verhalten einer Person testen, jedoch Informationen über vergangenes oder zukünftiges Verhalten ermitteln (Beispiel: Welche Partei haben Sie bei der letzten Bundestagswahl gewählt? / Welche Partei würden Sie wählen wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?).

Vorgehen beim Erstellen von Fragebögen

Bei der Konstruktion eines Fragebogens werden zuerst Themengebiete identifiziert, die abgefragt werden sollen und basierend darauf die Zielgruppe ausgewählt. Anschließend müssen Fragen formuliert werden. Dabei sollte auf Verständlichkeit (Vermeidung von doppelter Verneinung, Fremdwörtern und Suggestivformulierungen) geachtet werden. Die Antwortmöglichkeiten sollten sich nicht überschneiden und vollständig sein, damit sich möglichst alle befragten Personen wiederfinden kann. Es kann vorkommen, dass manche Personen nicht zu jeder Frage eine Meinung haben, daher ist es (meist) sinnvoll eine zusätzliche Antwortkategorie (keine Angabe/weiß nicht) anzubieten, um zu verhindern das Befragte falsche Antworten geben. Die Anordnung der Fragen und deren Reihenfolge sind genauso so wichtig und zu bedenken wie eine ansprechende optische Gestaltung. Um die Verständlichkeit und Dauer des Fragebogens einschätzen zu können, ist ein Pretest zu empfehlen, der etwaige Fehler aufdeckt und nach dem der Fragebogen angepasst werden kann.

Frageformen

Es existieren verschiedene Fragetypen, die in Fragebögen verwendet werden. Im Allgemeinen wird zwischen geschlossenen und offenen Fragen differenziert. Während bei erstgenannten sowohl die Frage als auch die Antwortmöglichkeiten fest vorgegeben sind, gibt es bei offenen Fragen eine vorformulierte Frage, jedoch keine Antwortvorgaben. Eine Hybridform dieser beiden Fragetypen ist die halboffene Frage, die der geschlossenen Frage entspricht, jedoch die Möglichkeit gewährt eigene Antworten zu ergänzen.

Beispiele:

Geschlossene Frage: Welches ist Ihrer Meinung nach das drängendste Problem in unserer Gesellschaft? Wählen Sie eine der untenstehenden Antworten aus.

Antwortmöglichkeiten: Soziale Ungleichheit, Klimawandel, Terrorismus

 

Offene Frage: Welches ist Ihrer Meinung nach das drängendste Problem in unserer Gesellschaft?

(Eingabefeld für eigene Antwort)

 

Halboffene Frage: Welches ist Ihrer Meinung nach das drängendste Problem in unserer Gesellschaft?

Antwortmöglichkeiten: Soziale Ungleichheit, Klimawandel, Terrorismus, Sonstiges, und zwar (Eingabefeld für eigene Antwort)

Geschlossene Fragen bieten den Vorteil einer höheren Vergleichbarkeit der Antworten. Offene Fragen sind sinnvoll, wenn wenig Vorwissen über den abzufragenden Bereich besteht und die Frage dazu dient neues Wissen zu generieren. Jedoch werden offene Fragen, insbesondere bei postalischen und Onlineumfrage, oftmals gar nicht beantwortet. Manche Fragen eignen sich nicht dazu Antworten vorzugeben, da es zu viele Antwortmöglichkeiten gibt und eine komplette Auflistung nicht möglich ist bzw. optisch nicht ansprechend. Aufgrund der Fülle von Informationen und unterschiedlichen Interpretationen der Fragen ist die Auswertung von offenen Fragen zeitaufwändiger, da zuerst Kategorien gebildet werden müssen, bevor die Antworten verglichen werden können. Sogenannte Filterfragen können eingebaut werden, wenn nicht alle Fragen für alle Personen relevant sind (Beispiel: Eine Befragte gibt an sich nicht ehrenamtlich zu engagieren und wird direkt zu den Fragen über ihre Person weitergeleitet und überspringt den Block zu der Art und Dauer des Engagements). Die meisten Fragebögen bestehen aus einem Mix der Fragetypen.

Quellen:

Behnke, Joachim; Baur, Nina; Behnke, Nathalie (2010): Empirische Methoden der Politikwissenschaft (2.Auflage). Paderborn: Schöningh.

Diekmann, Andreas (2008): Empirische Sozialforschung. Grundlagen Methoden Anwendungen (19.Auflage). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Duden Online; www.duden.de, abgerufen am 15.05.2018 (Begriffsdefinition).

Autorin: Lea Haiges